Tänzerinnen des Kinder- und Jugendballetts Bitterfeld-Wolfen haben ihre erste Reise auf den Balkan absolviert. 23 junge Frauen besuchten Rumänien

Musik und Tanz verbinden, Menschen rücken zusammen wie hier in Rumänien. Und dann wird manchmal die Straße auch schnell zur Bühne. (BILD: mz)

targu lapus/MZ. Das große Abenteuer Rumänien ist vorbei. 23 Tänzerinnen des Kinder- und Jugendballetts Bitterfeld-Wolfen haben ihre erste Reise auf den Balkan absolviert. Begegnungen bestimmten die Tage in Targu Lapus. In der Region Maramures trafen die Ballerinen auf den begeisterten Nachwuchs der Kleinstadt. Sie tanzten unmittelbar vor Celia, einer der momentan erfolgreichsten rumänischen Sängerinnen, aßen mit Mönchen und reichten Jugendlichen in Folkloretrachten die Hand.

Joana Maria Podina ist ein 15-jähriges Mädchen, das Musik und Tanz ihrer Heimat seit ein paar Jahren zum Hobby gemacht hat. Bestickte Bluse und Rock, dazu Tuch im Haar: Moderner Teenager sein und gleichzeitig Tradition pflegen, ist kein Widerspruch.

„Das ist auch eine Erkenntnis der Reise“, meint Ballett-Präsident Rolf Krause, den vor allen Dingen die Gastfreundschaft der Rumänen begeisterte. „Es ist nicht üblich, dass der Bürgermeister einer Stadt alles zur Chefsache macht, bei den Auftritten dabei ist, sich regelmäßig nach Wünschen erkundigt. Das rechnen wir Mitru Lese hoch an.“ Der Satz gefällt nicht nur den Tänzerinnen. Auch CDU-Landtagsabgeordneter Lars-Jörn Zimmer stimmt in den Chor des Dankes ein.

Die Bühne aber gehörte den Tänzerinnen. „War anstrengend, aber richtig schön“, erzählt Abigail Berger, die zu der Gruppe von Mädchen gehört, die zum ersten Mal auf große Reise ging. „Es hat funktioniert. Die Großen haben sich um die Kleinen gekümmert. Das schweißt das Ballett zusammen“, ist Cheftrainerin Mandy Schubert überzeugt.

Sie erlebten den Kindertag bei einem der größten Zulieferer für den schwedischen Möbelriesen Ikea. Dann die Auftritte beim Stadtfest und schließlich jede Menge Geschichte. Die Tänzerinnen nahmen die zum Unesco-Weltkulturerbe erklärte Holzkirche in Targu Lapus genau in Augenschein. Sie tauchten in Rohia ein in den Alltag orthodoxen Klosterlebens, besichtigten Schulen und wohnten selbst im Internat einer der Einrichtungen.

„Die Mädchen sollen das Leben in anderen Ländern kennenlernen und zeigen, was sie unter Liebe zum Tanz verstehen.“ So beschreibt Rolf Krause die Motivation dafür, Tänzerinnen einmal mehr eine Auslandsreise zu ermöglichen. Rumänien mit Bitterfeld-Wolfener Maßstäben zu messen, funktioniere sicher nicht. „Aber Bitterfeld ist auch nicht mit Hamburg zu vergleichen“, meint der Ballettchef, der in Targu Lapus weiter am Projekt Internationales Tanzfest feilte. Joana Maria Podina und ihre Mitstreiter des städtischen Tanzensembles sollen ebenso nach Bitterfeld kommen wie talentierte Nachwuchsstimmen.

Rumänien ein bloßes Abenteuer? Angesichts bis zu 1 800 Meter hoher Berge mit Bären und Wölfen in der Nachbarschaft könnte das so gesehen werden. Aber Targu Lapus ist mehr: eine typische Kleinstadt, in der die Flagge der Europäischen Union so selbstverständlich im Wind flattert wie Trachten getragen werden. „Danke für die Gastfreundschaft“, sagt Tänzerin Henriette Feist zu Bürgermeister Lese.

Ausruhen Fehlanzeige

Die Tänzerinnen des Kinder- und Jugendballetts Bitterfeld-Wolfen gönnen sich nach ihrem Gastspiel in Rumänien keine Auszeit. Neben Auftritten bei Schulabschlussfeiern und Gemeindejubiläen steht auch die Fahrt zum Sachsen-Anhalt-Tag auf dem Programm. Auf Hochtouren läuft außerdem die Vorbereitung für die dritte Auflage des Internationalen Tanzfestes im November in Bitterfeld.

Zeit zum Erzählen nehmen sich die Tänzerinnen dennoch. Zu viel gibt es zu berichten vom für das Ballett einst weißen Fleck auf der Landkarte, den Landtagsabgeordneter Lars-Jörn Zimmer (CDU) mithalf zu beseitigen. Zimmer pflegt seit geraumer Zeit Kontakte in die Region Maramures und lobt den Landstrich auch wegen des touristischen Wertes: Die Maramures ist eine Reise wert. (ur)