Schneewittchen tanzt mit den Zwergen.  (BILD: Städtebundtheater/Meusel)

Von Rita Kunze

Jaroslaw Jurasz und Joachim Kielpinski zeigen ein zeitgemäßes Märchen - Schneewittchen. Es ist ganz auf das Nordharzer Städtebundtheater zugeschnitten.

Quedlinburg/MZ. Das Märchen von Schneewittchen hat vielerlei Interpretationen erfahren. Das reicht von süß und anrührend in der Zeichentrick-Version von Walt Disney bis zum spektakulären Kontrastprogramm des französischen Choreografen Angelin Preljocaj, der vor zwei Jahren die Compagnie der Deutschen Oper Berlin in Kostümen von Jean-Paul Gaultier zur Musik von Gustav Mahler tanzen ließ.

Nun präsentiert der Halberstädter Ballettmeister Jaroslaw Jurasz ein „Schneewittchen“, das ganz auf das Nordharzer Städtebundtheater zugeschnitten ist. Es ist bunt, fröhlich, mit leicht verständlichen Bildern familientauglich und im wahrsten Sinne publikumsnah: Jurasz schickt seine tanzenden Zwerge durch die Zuschauerreihen.

Die Musik zur Choreografie stammt von Joachim Kielpinski, der elektronische Klänge mit Harfen-, Geigen- und Flötentönen zu eingängigen Melodien mischt. Schnell und langsam, heiter und unheimlich begleiten sie die Tänzer, die sich in einem wahrlich märchenhaften Bühnenbild bewegen. Kordula Kirchmair-Stövesand hat dem Ensemble einen Zauberwald geschaffen, der seine Wirkung nicht verfehlt, der ebenso düster und unheimlich wie auch ein Zufluchtsort sein kann.
Anrührend wie bei Disney

Dort wird Schneewittchen - Yuriya Nakahata ist in dieser Rolle die Anmut in Person - vom Jäger ausgesetzt und von den sieben Zwergen aufgenommen. Die präsentieren sich als ein ziemlich schräger Haufen von Individualisten, laut und bunt, der - auch musikalisch - erfrischende Abwechslung ins sanfte Waldesgrün bringt. Dorthin gelangt freilich auch die missgünstige Stiefmutter. Anna Vila verleiht dem Bösen schöne Gestalt, säuselt, triumphiert, flucht und zaubert. Die Ursache ihrer Wutausbrüche wird mit einem kleinen Trick in den Zauberspiegel projiziert.

Aus ihren drei Mordversuchen wird in Jurasz’ Version einer; kaum dass der Biss in den vergifteten Apfel getan ist, rollt der gläserne Sarg heran, in dem Schneewittchen vom Prinzen (Alexandre Delamare) wachgeküsst wird und sogleich einen romantischen Pas-de-deux tanzt. Die Stiefmutter wird von den Zwergen fortgejagt.

Unterstützt wird das professionelle Ensemble vom Kinder- und Jugendballett und der Quedlinburger Tanzschule Miltzow. Die Eleven sind bezaubernde Blumen, Hasen und Käfer, die mit Schneewittchen tanzen - anrührend wie bei Disney.

Mit der Produktion geht das Ensemble in der kommenden Woche auf Reisen an die Donau. Mitte Dezember wird wieder auf heimischem Boden getanzt, dann allerdings schon vor ausverkauftem Haus. Karten gibt es noch für die Aufführungen am 25. Dezember in Quedlinburg und am 26. Dezember sowie zur letzten Vorstellung am 9. Februar in Halberstadt. Wer sich einen ersten Eindruck vom Ballett verschaffen will, der kann im Internet unter www.harztheater.de ein kurzes Video anschauen.

Nächste Vorstellung am Sonntag, 25. Dezember um 19.30 Uhr im Großen Haus Quedlinburg